Hochwasser an der Huntestraße in Wardenburg70.000 Sandsäcke gefüllt

Erfolgreiche Deichverteidigung an der Hunte

Feuerwehr, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk (THW), Malteser Hilfsdienst (MHD), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter Unfallhilfe (JUH) und Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in enger Zusammenarbeit mit den verschiedenen Behörden ist es mit bis zu 450 Einsatzkräften in tagelangem Einsatz gelungen, ein Brechen des Huntedeiches in Astrup, Gemeinde Wardenburg, zu verhindern.

Innerhalb von 24 Stunden waren in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf das gesamte Einzugsgebiet der Hunte mehr als zehn Prozent der Jahresniederschlagsmenge auf einen bereits gesättigten Boden niedergegangen. Als Folge stiegen die Wasserstände rapide an und die Flüsse traten Über die Ufer.

Großaufbebot von Hilfskräften aller ArtDie Hunte wird in Astrup an der Ostseite durch einem alten Deich aus den zwanziger Jahren begrenzt. Der erste Einsatz der Gemeindefeuerwehren Wardenburg und Hatten richtete sich noch auf das Schließen von Deichlücken an Brücken. Schnell stellte sich aber heraus, daß bei ständig steigendem Pegel immer mehr Sickerstellen am Deich auftraten und ein Eingreifen erforderlich machten. Die beiden Gemeindefeuerwehren und das THW Wardenburg legten die ersten Deichschlösser aus Sandsäcken.

Am Samstag nachmittag beurteilten die Gemeindebrandmeister des Landkreises Oldenburg zusammen mit Vertretern der Wasserwirtschaft und der Bundeswehr die Lage und entschlossen sich zu einem massiveren Einsatz. Die selbstgebaute Abfüllanlage des THWDie Bundeswehr setzte ihre in Bereitschaft gehaltenen Kräfte aus Wildeshausen mit 8.000 bereits gefüllten und verladenen Sandsäcken in Marsch. Die Feuerwehr alarmierte beide Kreisfeuerwehrbereitschaften (FB) und den Fernmeldezug. Zur Versorgung der Einsatzkräfte wurden sämtliche Schnellen Einsatzgruppen (SEG) sowie die DLRG alarmiert.

Zwei Einsatzschwerpunkte wurden gebildet. Die 1. FB sicherte einige Einzelgehöfte, die bei einem Deichbruch in Gefahr geraten würden. Die 2. FB wurde zusammen mit der Bundeswehr zur Deichsicherung eingesetzt. Neben den Sickerstellen im Deich wurde der Deichverteidigungsweg zunehmend zum Problem.Ständige Überprüfung des PegelsEr besteht nur aus einer wassergebundenen Decke und weichte zunehmend auf. Dadurch drohte der Halt für den Deich nachzugeben und die Befahrbarkeit war zudem eingeschränkt. Da es wegen der Hochwasserlage in ganz Deutschland kaum noch Sandsackrohlinge gab, konnte die Bundeswehr nur noch die ihr zur Verfügung stehenden Sandsäcke einbauen.

Die Feuerwehr verstärkte den Weg mit einer Konstruktion aus Geotextil als Filterschicht, Sandsäcken zur Einfassung und einer Aufschüttung aus 300 t Recyclingmaterial. Bei Dunkelheit konnte dabei nur mit "Manpower" und kleinen Radladern gearbeitet werden. In Bereichen, in denen das Material eben eingebaut wurde, erwies sich die Konstruktion als sehr stabil.

Sandsäcke wurden bei der THW-Unterkunft in Wardenburg gefüllt. In den ersten Tagen erledigten dies die THW-Helfer und einzelne Ortsfeuerwehren.Nächtliches SandsackschleppenAn den folgenden Werktagen verbauten nur noch Soldaten aus Wildeshausen und später auch aus Oldenburg die Sandsäcke.

Um die Soldaten mit ausreichend Sandsäcken zu versorgen, füllten die Mannschaften der beiden FB in Nachtschichten bei der THW-Unterkunft Sandsäcke. Dabei waren pro Nacht zwei Schichten mit ca. 100 Feuerwehrleute je Schicht eingesetzt. Insgesamt wurden 70.000 Säcke gefüllt bei einer Maximalleistung von 2.600 Sack/h. Bis einschließlich Mittwoch wurde der Deich verstärkt. Feuerwehrmitglieder waren rund um die Uhr auf beiden Seiten des Flusses als Deichläufer unterwegs.

Der befestigte Deich mit einem "Deichläufer"Bei einem Deichbruch hätte die größte Gefahr für die Stadt Oldenburg bestanden. In Oldenburg wurden Sandsackwälle durch die Feuerwehren der Stadt Oldenburg (Oldb) errichtet und Einzelsicherungen vorgenommen. Es wurde die Sandsackfüllanlage des Landkreises Friesland mit einer max. Fülleistung von 2.000 Sack/h aufgebaut und von Soldaten und THW-Helfern betrieben.

Zur Ableitung der möglichen Wassermassen von immerhin 40cbm/min, die durch den Deichbruch in die Marsch und in den Stadtteil Bümmerstede hätten fließen können, wurden Maßnahmen vorbereitet. Glücklicherweise brauchten diese Maßnahmen nicht umgesetzt zu werden.

Der Einsatzstab traf sich unter der Leitung von KBM Ernst-August Müller und dem Leitenden Kreisverwaltungsdirektor Frank Eger zweimal täglich mit weiteren Beteiligten zur Lagebesprechung. Trotz der großen Anzahl an beteiligten Einrichtungen, Behörden und Organisationen wurde sehr diszipliniert und konzentriert gearbeitet. Die gute Zusammenarbeit setzte sich von der Einsatzleitung über die Arbeit in der THW-Unterkunft bis zum Deich fort.N3 LifeübertragungFünf Tage befand sich die Einsatzleitung im Druckereimuseum in Sandkrug, für den Rest des Einsatzes erfolgte die Einsatzleitung vom Wardenburger Feuerwehrhaus aus. Unterstützt wurde die Einsatzleitung durch den Fernmeldezug mit dem Einsatzleitwagen ELW 2. Der Fernmeldezug hatte ausreichend zu tun, obwohl ein großer Teil der Kommunikation über die zahlreich vorhandenen Mobiltelefone abgewickelt wurde. Ohne Handy hätte der Einsatz in diesem Umfang nur schlecht organisiert werden können.

Zu dem weißen Aufdruck (37 kB)Ein so umfangreicher Einsatz und die Bedrohung der Stadt Oldenburg hatten ein gesteigertes Medieninteresse zur Folge. Die Einsatzleitung mußte zahlreiche Interviews für Presse, Funk und Fernsehen geben. Höhepunkte dabei waren die Lifeaufzeichnung der Sendung "N3-Aktuell" und eine Lifeschaltung in der Sendung "Hallo-Niedersachsen" direkt vom Deich in Astrup.

Harro und Jan-Hendrik Hartmann, Matthias Liebl, Pw

(Anmerkung der Pw: Aufgrund des Einsatzes über Tage und Nächte wären noch viel mehr Details berichtenswert gewesen. Es fehlt jedoch an Raum für die Berichterstattung.)